Dienstag, 29. Dezember 2015

[Rezension] Die Königin der Schatten

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 Titel: Die Königin der Schatten
 Autor/in: Erika Johansen
 Verlag: Heyne
 Seitenzahl: 541
 Preis: 9,99 € (D)
Cover / Bildrechte:
Randomhouse / Heyne





Kelsea ist mehr als überrascht, als plötzlich eine Garde kommt, um sie an den Königshof zu eskortieren. Doch sie weiß auch, was das bedeutet: Sie soll den Thron besteigen und die neue Königin von Tearling werden. Gar keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass ihr Onkel, diesen für sich beansprucht und ihr deswegen nach dem Leben trachtet. Das macht die Reise zu einem Spießrutenlauf und Kelsea muss ständig um ihr Leben fürchten.

Doch auch als sie schließlich das Schloss erreicht, wird es nicht besser, denn ihr Onkel und auch ihre Mutter vorher haben ganze Arbeit geleistet, das Land Tearling ins Unglück zu stürzen und das Volk zu demoralisieren. Jetzt ist es an der neuen Königin, das Herz und vor allem das Vertrauen ihrer Untertanen zu gewinnen. Aber wie soll sie diese Aufgabe meistern, wenn eine grausame Armee auf dem Weg in ihr Land ist und dessen Königin weiterhin ihren Kopf fordert?
Das Buch beginnt damit, dass Kelsea abgeholt wird. Ohne jegliche Vorkenntnisse wird man direkt ins Geschehen hineinkatapultiert. Ich fand das jedoch super, da sofort eine gewisse Spannung in der Luft liegt. Dadurch, dass Kelsea ja getötet werden soll, bevor sie den Thron besteigen kann, sind die Nerven von allen beteiligten und auch von mir als Leserin, gleich zum Zerreißen gespannt. Ständig wartet man darauf, dass von irgendeiner Seite ein Mörder kommt oder ein Verräter unter ihnen ist, der die junge Königin töten möchte. Ich konnte also gar nicht aufhören zu lesen, ohne vorher zu wissen, ob Kelsea das Schloss sicher erreichen würde. 

Doch wer jetzt denkt, dass man durch die ganze Geschehnisse zu wenig über die Protagonistin erfährt, der liegt falsch. Der Autorin Erika Johansen gelingt es nämlich sehr gut mit Hilfe von Rückblenden und Erinnerungen genug Informationen über ihre Charaktere preiszugeben, die diesen Tiefgang verleihen und sie für den Leser greifbar machen . Jeder Protagonist, der eine wichtige Rolle innerhalb des Buches spielt, hat seine eigene Geschichte, seine eigene Vergangenheit, seine Stärken, aber auch Schwächen und nicht jedes Geheimnis wird sofort offenbart, so dass genug Platz bleibt, für wilde Spekulationen, aber auch für die Fortsetzung. Ich fand es großartig, die Charaktere mit jeder Seite besser kennenzulernen, ihre Entwicklung mitzuerleben und mir trotzdem noch meine eigenen Gedanken zu ihnen machen zu können. 

Etwas irritiert war ich anfangs von der Welt, in der Kelseas Geschichte spielt. Zum einen herrschen nämlich Zustände wie im Mittelalter und zum anderen gibt es dann z.B. Bücher, wie „Der Herr der Ringe“ oder „Harry Potter“. Das hat mich erst einmal sehr überrascht, mich dann aber nicht weiter gestört. Im Gegenteil irgendwie fand ich es sogar spannend, die Welt von Kelsea zu entdecken.

Anfangs wird das Buch ausschließlich aus Sicht von Kelsea, jedoch in der dritten Person erzählt. Im späteren Verlauf gibt es dann einige Perspektivwechsel, die das Buch zusätzlich interessant machen und noch einmal einen anderen Blick auf das Geschehen gewähren. Ich finde solche Wechsel immer besonders spannend, weil sie eine Geschichte für mich vielschichtiger machen, man noch tiefer in das Geschehen und die Gedankengänge verschiedener Charaktere eintauchen kann.

Obwohl dieses Buch, mit seinen über 500 Seiten, doch eher zu den dickeren Büchern gehört, habe ich mich nicht eine Seite lang gelangweilt. Die Autorin Erika Johansen wartet mit viel Spannung auf, aber auch mit einigen unvorhersehbaren Wendungen und Geheimnissen, die auch am Ende des Buches noch lange nicht alle gelöst sind. Ich hätte noch ewig weiterlesen können, um mehr über Kelsea, das Königreich Tearling und dessen Gegner Mortmesne zu erfahren.

„Die Königin der Schatten“ ist für mich ein rundum gelungenes Buch. Das Setting ist außergewöhnlich, aber auch sehr interessant. Die Protagonisten sind vielschichtig und charakterstark und das Geschehen spannend und geheimnisvoll. Das Buch hat 541 Seiten und keine einzige davon hat mich gelangweilt. Ich hätte noch ewig weiterlesen können.


Von mir bekommt das Buch 5 Punkte von 5.


Sonntag, 27. Dezember 2015

[Rezension] Du neben mir und zwischen uns die Welt

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 Titel: Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt
 Autor/in: Nicola Yoon
 Verlag: Dressler
 Seitenzahl: 336
 Preis: 16,99 € (D)
  Cover / Bildrechte: Oetinger Verlag





Madeline leidet an einem seltenen Immundefekt. Das heißt, sie darf das Haus nicht verlassen und außer ihrer Mutter und einer Krankenschwester auch keinen Besuch bekommen. Jeder noch so kleine Krankheitserreger könnte ihr den Tod bringen. 

Deshalb steckt sie all ihre Liebe in Bücher und in die Architektur. Doch als Olly im Nachbarhaus einzieht, verändert sich ihr Leben von Tag zu Tag mehr.  

Madeline ist sofort fasziniert von ihm und bald schon reichen ihr die Emails, die sie sich schreiben nicht mehr aus. Sie verspürt plötzlich diese Sehnsucht nach Liebe und nach echtem Leben. Sie will mehr, sie will alles und ist dafür bereit jedes Risiko einzugehen … .

Als ich den Klappentext las, wusste ich sofort, dass ich dieses Buch haben muss. Es klang so nach einer schönen und berührenden Liebesgeschichte und ich war gespannt, wie die Autorin das „Problem“ mit der Krankheit lösen würde. 

Schon nach den ersten Seiten war ich total gefangen von dem Buch. Hier bekommt man nämlich nicht nur eine Geschichte, sondern viele Illustrationen, Listen, Chatnachrichten und Checklisten, die das Buch auflockern und den Lesefluss zusätzlich steigern. Ich fühlte mich, als wäre ich mitten im Geschehen, als wäre ich eine Freundin von Madeline und dürfte an ihrem Leben teilhaben. Das fand ich großartig, da das Leben der Protagonistin eigentlich nicht besonders aufregend ist, das Buch aber durch diese vielen netten Ideen trotzdem nicht langweilig wurde. 

Als Olly schließlich neben Madeline einzieht, nimmt die Geschichte eine richtige Wendung. Als Leser spürt man förmlich, wie sich das Leben der Protagonistin und vor allem ihre Gefühlswelt verändert. Dadurch, dass das Buch in Ich-Form geschrieben ist, bekommt man die Gedanken und Emotionen der Protagonistin natürlich hautnah mit, aber die Autorin Nicola Yoon schildert diese auch so authentisch und ungeschönt und doch so einfühlsam, dass ich gar nicht anders konnte, als mit jeder Faser meiner Seele mit Madeline mitzufühlen. 

Diese Liebesgeschichte ist wirklich etwas ganz Besonderes, denn die Liebe der beiden beginnt so harmlos und doch ist von vorne herein klar, dass sie sich rettungslos ineinander verlieben werden. Es war so schön, mitzuerleben, wie die beiden versuchen sich näher zu kommen, wie ihre Gefühle füreinander wuchsen und gleichzeitig war es so tragisch, weil einem als Leser natürlich klar ist, dass Madelines Krankheit ihre Liebe fast unmöglich macht. Ich muss sagen, ich war wirklich nahe am Rande der Verzweiflung, so sehr wünschte ich mir ein Happy End für dieses süße Paar.

Doch gleichzeitig war ich auch sehr gespannt, wie die Autorin dieses Problem lösen würde, denn ich muss sagen, ich bin kein Fan davon, wenn sich alle (auch unlösbaren) Schwierigkeiten ganz plötzlich in Wohlgefallen auflösen. Und ich muss sagen, ich habe mit vielem gerechnet, aber nicht mit diesem Ende. Ich kann nur sagen: WAHNSINN! Was für ein Ende! Ich war schon vorher begeistert von dem Buch, aber mit diesem Schluss hat Nicola Yoon dieses Buch für mich zum Highlight 2015 gemacht. Einfach genial.
Dieses Buch ist mein Highlight 2015. Gleich zu Beginn des Buches hat mich die Autorin mit ihrer Geschichte und ihrer ungewöhnlichen Art diese zu erzählen gefangen genommen. Die Emotionen der Protagonistin und die Liebesgeschichte der beiden Darsteller sind so authentisch, so einfühlsam und schön, dass ich mit jeder Faser meiner Seele mitgefühlt habe. Doch erst das überraschende Ende, das mich so sehr begeistert hat, hat dieses Buch für mich zu etwas ganz Besonderem gemacht. Dieses Buch ist wirklich einmalig, einmalig schön.
 

 Von mir bekommt das Buch 5 Punkte von 5.